Fachkräftemangel?

Mitarbeiterorientierte Personalpolitik als Schlüssel für wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen 19.07.2013 Wörth a.d. Donau „Bildung ist mit die wichtigste Maßnahme gegen Fachkräftemangel. Lebenslanges Lernen sichert unsere wertvollste Resource: Wissen und Wissensvorsprung.“ Heimische Betriebe, berufsständische Kammern, die Bundesagentur für Arbeit bestätigen, dass sich der Fachkräftemangel auch in der Region Regensburg bemerkbar macht. Der Oberpfalz und dem Landkreis Regensburg fehlen in diesem Jahr bereits 15.000 Fachkräfte* – Tendenz steigend. „Wir sind alle gefordert, genügend und gut qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen und langfristig zu binden, um Wachstums- und Beschäftigungsproblemen entgegenzusteuern“, sieht Tanja Schweiger, MdL, die Politik mit in der Verantwortung. Die Themenreise „Lebensqualität in unserer Region“ der Kommunal- und Landespolitikerin der Freien Wähler führte dieses Mal zur W & L Deutsche Technoplast mit Betriebsstätte in Schwabach und Firmensitz in Wörth, um am Beispiel des familiengeführten Unternehmens der Frage nachzugehen, wie dem Fachkräftemangel am besten zu begegnen sei. Für Dipl.-Ing. Birgit Bauer Groitl, Geschäftsführende Gesellschafterin, ist Verlässlichkeit in der Personalpolitik, die das Wohl aller und des Gesamten im Blick hat, eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg eines Unternehmens. Kleine und mittelständische Betriebe kämpfen am meisten mit einem Fachkräftemangel, wie die Bertelsmannstiftung in einem Memorandum feststellt: Sie haben zum Beispiel weniger Möglichkeiten, die Produktion zu verlagern oder Leistungen nach außen zu vergeben. Was also tun, wenn einem die notwendigen Fachkräfte fehlen? Auch die Technoplast GmbH, die Spritzgießformen, Fertigungslinien und Kunststoffteile für namhafte Kunden der Elektronik- oder Automobilindustrie herstellt, tat sich Ende der 90-er Jahre schwer, genügend Fachkräfte zu finden. Dipl.-Ing. Birgit Bauer-Groitl, die 1999 in den Betrieb eintrat, setzte zunächst einmal auf Nachwuchsförderung: „Eine meiner ersten Aufgaben war Öffentlichkeitsarbeit. Wir gingen mehr an Schulen, nahmen am 'Tag der Ausbildung' im Landkreis teil.“ Seit 2001 bildet die Firma zusätzlich Verfahrensmechaniker aus und erweiterte das Angebot an Plätzen für Praktika oder eine Schnupperlehre. „In Wörth sind wir jetzt gut aufgestellt“, konnte die Unternehmerin berichten. Motivierte Mitarbeiter sind das wertvollste Gut für ein Unternehmen. Tanja Schweiger, die bereits mit der ersten Veranstaltung ihrer Themenreise „Kein Jugendlicher darf verloren gehen“ deutlich gemacht hatte, dass eine gute Schul- und Berufsausbildung der Grundstock für ein selbstbestimmtes Leben ist, sah sich bei der Betriebsführung bei der Deutschen Technoplast erneut bestätigt: „Unternehmen sind auf gut ausgebildete Leute angewiesen. Das beginnt bei Schulabgängern, die mit einer Ausbildung anfangen, und zieht sich durch wie ein roter Faden: Berufliche Weiterbildung ist wichtig, um an seinem Arbeitsplatz mithalten zu können, aber auch, um sich selbst zu motivieren und zu entdecken, was alles in einem steckt. Sie ist das Mittel, um sich für seine Arbeit zu begeistern.“ Motivierte Mitarbeiter wiederum seien das wertvollste Gut für ein Unternehmen, um erfolgreich zu sein.   Was macht einen mehrfach ausgezeichneten Arbeitgeber aus? Die Deutsche Technoplast GmbH in Wörth wurde 2012 zum dritten Mal mit dem Güte-Siegel TOP JOB ausgezeichnet, seit wenigen Wochen zählt sie zu BAYERNS BEST 50. Auch W&L Deutsche Technoplast erhielt heuer erstmals die TOP JOB Auszeichnung. Die Preise seien nichts zum Ausruhen, sondern verpflichteten zur Nachhaltigkeit und dazu, beständig an Verbesserungen zu arbeiten, führte Birgit Bauer-Groitl aus. Entsprechend breit gefächert seien die Maßnahmen zur Personalentwicklung: Für Auszubildende finden zum Beispiel Jugend-Planungstage statt. Führungskräfte wie Mitarbeiter profitieren von berufsbegleitenden Weiterbildungen oder werden auch im Bereich „Management“ qualifziert. Einen zentralen Stellenwert nehmen regelmäßig stattfindende Gespräche zwischen Mitarbeiter und Führungskraft ein, um Unternehmensziele und Qualifikation abzugleichen. Anonyme Befragungen unter den Beschäftigten geben der Unternehmensleitung ein ehrliches Feedback darüber, was verbesserungswürdig ist. „Wer sich motivierte und engagierte Mitarbeiter wünscht, die loyal zum Betrieb stehen, muss kontinuierlich in Personalentwicklung investieren“, lautet das Fazit der Unternehmerin. Tanja Schweiger fügte bei der Betriebsführung ergänzend hinzu: „An diesem Beispiel sieht man sehr gut, dass qualifizierte Mitarbeiter nicht vom Himmel fallen, sondern dass man um sie werben und in sie investieren muss. Das kostet Zeit und Geld – eine Investition, die sich aber lohnt.“ Dass es sich lohnt, lässt sich gut bei der W&L DTP in Schwabach beobachten. Der Betrieb, Nachfolgeunternehmen der insolventen Firma Wolf & Liegel GmbH, gehört seit dreieinhalb Jahren zur Unternehmensfamilie Deutsche Technoplast. Auf dem Weg zur betriebswirtschaftlichen Gesundung sei zunächst Eigenkapital der wichtigste Faktor gewesen, so Birgit Bauer-Groitl. Die fränkischen Kolleginnen und Kollegen genössen einerseits die gleichen Qualifikationswege und -methoden, müssten jedoch dafür einen immer noch andauernden Veränderungsprozess durchmachen. Es brauche noch ein Vielfaches mehr, um die gesteckten Ziele zu erreichen, vor allem kaufmännischen Sachverstand, weshalb man sich qualifizierte Berater mit ins Boot geholt habe. „Besonders freue ich mich, dass beide Seiten – die Wörther wie die Schwabacher – danach streben, voneinander zu lernen.“ Die Zahlen sprechen für sich: 2011 und 2012 schrieb die W&L Deutsche Technoplast bereits wieder schwarze Zahlen. Ein familiengeführtes Unternehmen verfolgt eine andere Personalpolitik. Bei ihren vielen Besuchen in heimischen Betrieben hat Tanja Schweiger immer wieder die gleiche Erfahrung gemacht: Ein familiengeführter Betrieb ist näher an den Menschen und den persönlichen Schicksalen seiner Beschäftigten. Das erzeuge engere Bindungen und mehr gegenseitige Verantwortung; hier liege die Chance für kleine und mittelständische Firmen im Vergleich zu Großunternehmen. Birgit Bauer-Groitl bestätigte den Eindruck: „Ein familiengeführter Betrieb verfolgt eine andere Personalpolitik, weil es ihm um den langfristigen Bestand und das Wohlergehen des Unternehmens geht. An erster Stelle stehen Verlässlichkeit und Verantwortung zum Wohle aller. Man fühlt sich der Region und der Tradition im Sinne der Familie verpflichtet.“ Auf die Frage, woraus sich die große Wertschätzung Mitarbeitern gegenüber speise, meinte die gebürtige Wörtherin, es seien die Vorbilder, mit denen sie aufgewachsen sei: „Meine Eltern, meine Erzieherinnen und Lehrkräfte bei den Ursulinen in Straubing, mein erster Chef nach dem Studium. Geprägt hat mich auch die christliche Wertvorstellung 'Liebe deinen Nächsten wie dich selbst'.“ Wie kann die Politik Unternehmen in der Region unterstützen? Auf die Frage von Tanja Schweiger fiel Birgit Bauer-Groitl einiges ein wie etwa der Wunsch, dass widersprüchliche Strategien auf Bezirks- und Landesebene vermieden werden sollten. Besonders gefragt aber sei Vernunft in Bildungskonzepten, womit sie der Kommunal- und Landespolitikerin der Freien Wähler aus der Seele sprach. „Ein schnell eingeführtes G8 allein ist bestimmt keine gute Lösung. In Kombination mit einer Förderung des so genannten Dualen Studiums aber – speziell in der Form 'Ausbildung im Betrieb vor einem Studium' – wäre es wiederum eine deutliche Verbesserung im Vergleich zur früheren, rein akademischen Ausrichtung der Gymnasiasten“, meinte die Unternehmerin. Bei der örtlichen Aufteilung der Berufsschulen, die jungen Leuten während ihrer Ausbildung zum Teil drei Schulwechsel abverlange, bestehe dringend Handlungsbedarf. Besonders würde sie sich über eine Berufsschule für Verfahrensmechaniker in Ostbayern freuen. „Und noch etwas liegt mir am Herzen: Wir brauchen bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie – für Frauen wie für Männer!“ * Quelle: IHK-Fachkräftemonitor Bayern

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