Kein Jugendlicher darf verloren gehen!

Engagierte Besucher und kompetente Fachleute einig: 10.06.2013 Regensburg.     Mit einem Volltreffer begann MdL Tanja Schweiger (FREIE WÄHLER) ihre Themenreise durch den Landkreis Regensburg, die unter dem Motto „Im Blick: Lebensqualität in unserer Region“ steht. Die hohe Anzahl an Besuchern zeigte, dass das Thema „Kein Jugendlicher darf verloren gehen“ von hoher Brisanz und Aktualität ist, auch wenn Johann Götz, Geschäftsführer Operativ bei der Agentur für Arbeit Regensburg, darauf hinwies, dass wir nahezu Vollbeschäftigung haben und die Quote der Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz in seinem Zuständigkeitsbereich die zweitbeste hinter dem Bereich Ingolstadt sei.
In seinem Impulsreferat präsentierte MdL Günther Felbinger, bildungspolitischer Sprecher der Freien Wähler, mit konkreten Zahlen und Fakten die aktuelle Situation am Arbeitsmarkt für junge Menschen. 4728 von den unter 20-Jährigen seien in Bayern derzeit ohne Arbeitsplatz. Bei den unter 25-Jährigen seien es immerhin rund 25.000 Menschen, von denen wiederum etwa die Hälfte keine abgeschlossene Berufsausbildung habe – vor dem Hintergrund des schon seit längerer Zeit sehr akuten Fachkräftemangels eine höchst kritische Situation. Längst sei dabei der Zusammenhang zwischen Schulabschluss und Berufseinstiegschancen bekannt, betonte MdL Felbinger: „Je höher der Schulabschluss, desto besser die Chancen für die Berufsausbildung“. Zwei weitere Fakten müssen seiner Meinung nach bei der Suche nach Lösungen unbedingt berücksichtigt werden: besonders seien Jugendliche mit Migrationshintergrund betroffen, und davon gelten vor allem männliche Jugendliche als „Bildungsverlierer“, wie sich der Abgeordnete ausdrückte. Neben etlichen in der Gesellschaft bereits breit diskutierten Lösungsansätzen formulierte Günther Felbinger zwei konkrete FW-Forderungen, die der immer umfangreicher werdenden Heterogenität in unserer Gesellschaft geschuldet seien, nämlich das Lehrertandem in den ersten beiden Grundschuljahren sowie die Ausweitung der flexiblen Eingangsstufe an Grundschulen über die derzeit rund 20 Modellschulen hinaus auf ganz Bayern. In dem anschließend von Tanja Schweiger gekonnt moderierten Podiumsgespräch wurde deutlich, dass die – wenn auch nur vergleichsweise – noch nicht so dramatische Situation im Raum Regensburg vermutlich an dem gut funktionierenden Netzwerk der beteiligten Einrichtungen liegt, wie alle Podiumsteilnehmer immer wieder betonten. Allerdings wies Dr. Hermann Scheuerer-Englisch, Vorsitzender der LAG Erziehungsberatung Bayern, auch darauf hin, dass der Einfluss der staatlichen Einrichtungen nicht überbewertet werden dürfe. Zwei Drittel der Verantwortung am Erfolg haben vielmehr die Eltern. Wenn man also die Situation verbessern wolle, müsse auch hier der Hebel angesetzt werden. Es sei eben ein Unterschied, ob Eltern ihren Kindern ein „du kannst das“ oder ein „du kannst das nicht“ mit auf den Weg geben. Auch Hubert Schmalhofer, Leiter der Lernwerkstatt der Katholischen Jugendfürsorge Regensburg, empfahl Eltern, deutlich öfter ihren Kindern zu vermitteln: „Ich glaub an dich, es steckt was in dir drin“. Johann Götz von der Agentur für Arbeit pochte auf die Stärkung der sozialen Eigenschaften wie Team- und Konfliktfähigkeit. Dies könne am leichtesten dadurch erreicht werden, dass man bereits die frühkindliche Entwicklung unterstütze. Denn sind die Eltern dazu nicht selbst in der Lage oder scheitern entsprechende Impulse von außen, landen junge Menschen letztlich am Ende der Kette, die Manfred Kiendl, Bereichsleiter am Jobcenter Stadt Regensburg, repräsentiert. Seine Einrichtung ist für die Auszahlung von ALG II zuständig. Hoffnung, dass der Weg dorthin erspart bleiben kann, machte Michael Staab, Personalleiter der Continental Automotive GmbH. In seinem Unternehmen werde nämlich nicht danach getrachtet, die Sahne abzuschöpfen und nur die Besten auszubilden, sondern „wir wollen unsere Mitarbeiter zu den Besten ausbilden“. Als Vater von vier Kindern sei ihm bewusst, dass junge Menschen konkrete Vorstellungen von ihrer Zukunft haben können und sehr viel Energie in die Erreichung ihrer Ziele hineinstecken, wenn ihnen ein passendes Umfeld geboten werde. Auf – in der Anzahl – erfreulich wenige Herausforderungen fassten die Podiumsteilnehmer ihre Empfehlungen zusammen. Demnach müsse man anerkennen, dass junge Menschen sehr wohl Leistung bringen und Erfolg haben wollen, auch wenn sie in der Clique manchmal einen anderen Eindruck machen. Es ist also unser aller Auftrag, an sie zu glauben, ihnen eine Perspektive zu bieten und sie zur Eigenverantwortung zu erziehen. Alle beteiligten öffentlichen Einrichtungen tun gut daran, sich noch intensiver zu vernetzen, und die Politik ist gefordert, deren finanzielle Ausstattung zu gewährleisten und nicht noch weiter zu reduzieren. „Was Hänschen nicht lernt, muss Hans später lernen“, resümierte Tanja Schweiger am Ende der Veranstaltung. Um dabei die bremsenden Hürden zu beseitigen, appellierte sie an die Datenschutz-Beauftragten, das Netzwerken der Beteiligten zu unterstützen und deshalb zuzulassen, dass alle Beteiligten gemeinsam einem jungen Menschen helfen können und die Informationen nach Einwilligung auch untereinander fließen dürfen. Auf die zahlreichen auch kritischen Fragen konnten die Podiumsexperten umfassende Antworten geben. Es zeigte sich: hier in der Region funktioniert bereits das Netzwerk der öffentlichen Einrichtungen. Zwar sind noch einige Stellschrauben zu drehen, doch die Besucher lobten unisono die „gute Runde“ und die „gute Veranstaltung“ und brachten sich auch mit viel konstruktiven Beiträgen ein. Beim nächsten Halt auf der Themenreise geht es am 28. Juni 2013 ab 15 Uhr im Solarpark bei Saalhaupt um „eine Energiewende im Sinne der Bürger“. Bericht in Regensburg-digital: http://www.regensburg-digital.de/kein-jugendlicher-darf-verloren-gehen/19062013/