Breitbandausbau im Landkreis schreitet voran

Fachleute stellen Weg zu schnellem Internet vor – Veranstaltung gut besucht
Regensburg. (RL) Mit über 70 Bürgermeistern, Breitbandpaten und Vertretern der Telekommunikationsanbieter war der von Landrätin Tanja Schweiger einberufene Breitbandtag im neuen Sitzungssaal des Landratsamtes ein großer Erfolg. „Der gesamte Landkreis und nicht nur die Hauptorte oder das Umfeld um Regensburg müssen mit leistungsfähigen, schnellen Internetverbindungen erschlossen werden“, betonte Landrätin Tanja Schweiger: „Wir haben uns bewusst für den solidarischen Weg entschieden, damit auch alle Ortsteile einen Zugang zum schnellen Internet bekommen.“

Alfred Raucher, Landrätin Tanja Schweiger, Josef Ledermann und Hans Prechtl bei Breitbandtag im Landratsamt. (v. l.)

Alfred Raucher, Landrätin Tanja Schweiger, Josef Ledermann und Hans Prechtl bei Breitbandtag im Landratsamt. (v. l.)

Um dieses Ziel zu erreichen, hat der Kreistag 1,5 Mio. Euro für die nächsten drei Jahre zur Verfügung gestellt. „Der Landkreis Regensburg ist einer von nur zwei Landkreisen in Bayern, die eigenes Geld einsetzen, um den Breitbandausbau zügig voranzubringen“, erklärte Hans Prechtl, Breitbandbeauftragter des Landkreises Regensburg. Außer dem Landkreis Regensburg fördert nur der Landkreis Passau ebenfalls den Breitbandausbau.

Ingenieur Josef Ledermann, der seit drei Jahren im Auftrag des Landkreises für die Gemeinden tätig ist, zeigte auf, dass bis Ende 2014 alle Markterkundungsverfahren im Landkreis abgeschlossen sein werden. Dabei wartete er mit der erfreulichen Mitteilung auf, dass die Telekom 55 Kabelverzweiger eigenwirtschaftlich, das heißt ohne Kostenbeteiligung der Gemeinden, ausbaut. Mit diesen geschätzten Investitionskosten von 2.000.000 Euro werden rund 4.000 Haushalte mit modernstem VDSL Vectoring bis 100 MB versorgt, ohne dass es ein Zutun der Gemeinden im Rahmen des Breitbandprojektes des Landkreises bedarf. „Nach Abschluss der Markterkundung kann die Breitbanderschließung ausgeschrieben werden“, informierte Ledermann. Vorhandene und geplante Leerrohre könnten dann in das Ausschreibungsverfahren eingebracht werden.

Reiner Niedermeier vom Bayerischen Breitbandzentrum stellte die technischen Grundlagen für den Ausbau des schnellen Internets vor. Während die konventionelle Infrastruktur auf Kupfernetzen basiert, sollen die Kabelverzweiger über Glasfaser angeschlossen werden. Wo dies nicht möglich sei, sind alternative Anbindungen über Richtfunk zu prüfen. Auch die Kabelfernsehnetze können für die Internetnutzung eingesetzt werden und als Telekommunikationsnetze dienen.

Der Leiter des Amtes für Digitalisierung, Breitband und Vermessung in Regensburg, Alfons Steimer, wusste von verstärkten Neueinstiegen in das Förderverfahren infolge des Inkrafttretens der neuen Förderrichtlinie am 09. Juli 2014 zu berichten. „35 Gemeinden aus dem Landkreis befinden sich bereits in der Markterkundung“, erklärte Steimer. Die entscheidenden Verbesserungen des neuen Förderverfahrens sind eine für jede Gemeinde um 20 Prozent höhere Förderung und eine Vereinfachung des Verfahrens auf nur mehr neun Schritte. Die Vectoring-Technik ist nicht förderfähig, da man damit konkurrierende Anbieter aus der gemeinsamen Nutzung eines Kabelverzweigers ausschließen würde. Dies wäre nicht förderkonform. Gleichwohl kann diese für den Endkunden erfreuliche Technik dort eingesetzt werden, wo ein eigenwirtschaftlicher Ausbau außerhalb des Förderprogramms erfolgt. Detaillierte Hinweise zur Markterkundung rundeten Steimers Vortrag ab.

Christiane Zürn, die bei der Regierung der Oberpfalz für den Erlass der Förderbescheide zuständig ist, riet den Bürgermeistern und Breitbandpaten, die noch gering versorgten Gebiete sorgfältig zu ermitteln. Dies umso mehr, als sich aus den offiziellen Quellen nur bedingt die reale Versorgungssituation ableiten lasse. Die Fristen sollten großzügig gesetzt werden, damit die Anbieter ausreichend Zeit haben, sorgfältig zu kalkulieren und gegebenenfalls einen eigenwirtschaftlichen Ausbau anzuzeigen. Die Breitbanderschließung in interkommunaler Zusammenarbeit kann bei Ausschöpfung der Förderhöchstsummen eine zusätzliche Förderung in Höhe von 50.000 Euro pro Gemeinde bedeuten. Um diese Beträge abzurufen, ist der Abschluss einer schriftlichen Vereinbarung erforderlich, die als Muster erläutert wurde. Wer gemeinsam plant, muss parallel oder im zeitlichen Abstand von höchstens zwei Monaten ausschreiben, um die zusätzliche Förderung nicht zu gefährden.

Der Nachmittag war den Vorträgen der Breitbandanbieter vorbehalten. Die Sprecher stellten ihr Leistungsportfolie vor und erläuterten, welche Schwerpunkte seitens ihrer Unternehmen in der Breitbanderschließung gesetzt werden.

Thomas Bär sicherte namens der Telekom zu, dass auf jede gemeindliche Ausschreibung ein Angebot abgeben wird. Die Bürgermeister nahmen dies dankend zur Kenntnis. Denn damit kann auch für abgelegene Gemeindeteile ein Breitbandunternehmen gefunden werden. Neubaugebiete möchte die Telekom eigenwirtschaftlich mit Glasfaser erschließen.

Alfred Rauscher als Geschäftsführer der R-KOM verglich die Aufgabe der Breitbanderschließung mit einem Marathonlauf. Es müsse auf die Glasfaser gesetzt werden, damit „Breitband auch morgen noch funktioniert“. Das vereinzelte Schielen der Politik auf Antrags- und Bewilligungszahlen, wobei in kurzer Zeit vieles rasch erschlossen werden soll, gleiche aber eher einem Sprint. Das aktuelle Breitbandförderprogram bürge die Gefahr, dass ein überhitzter Markt entsteht, bei dem nicht jeder nachhaltig kalkuliert.

René Meyer von der Vertriebsleitung der inexio in Kinding sah als Zielgruppe seiner Firma vor allem die unterversorgten, abseits gelegenen Gebiete. Es bestehe eine hohe Investitionsbereitschaft auch ohne Förderkulisse. Da inexio bislang im Nürnberger und Ingolstädter Raum gut mit Kabeltrassen vertreten sei, werde man sich bevorzugt im westlichen Landkreis Regensburg engagieren.

Willi Wilka zeigte die Fortentwicklung von Kabel Deutschland vom Fernseh- zum Internetunternehmen auf. Über das TV-Kabel kommen nicht nur TV und Radio, sondern auch besonders schnelles Internet mit Bandbreiten von bis zu 100 Mbit/s zu den Kunden. Das moderne Kabelnetz besteht aus Glasfaser und aus Koaxialkabeln. Dabei sind Fernseh- und Internet-Verkehr physikalisch getrennt, um höhere Ausfallssicherheit zu erreichen. Der weitere Glasfaserausbau erfolgt bedarfsgerecht und kontinuierlich. Im Landkreis Regensburg sind bereits mehr als 50.000 Haushalte von Kabel Deutschland erschlossen.

Erwin Walch, der Kommunalbeauftragter für Mobilfunk der Telekom, beleuchtete, dass die mobile Kommunikation aus dem Alltag der meisten Menschen, Institutionen und Gewerbebetriebe nicht mehr wegzudenken ist. Wegen der sehr hohen und immer noch steigenden Nachfrage nach mobiler Breitbandtechnologie wird das Netz weiter verbessert und optimiert. Die LTE-Technik (Long Term Evolution) ist die mobile Antwort für die Zukunft des mobilen Datenverkehrs und den Breitbandbedarf dort im ländlichen Raum, wo kabelgebundene Lösung zu teuer wären. Er sicherte zu, dass die Gemeinden bei der Suche nach Standorten für neue Übertragungsmasten von Anfang an beteiligt werden.

Nachdem die Landrätin in ihrem Schlusswort ein Feedback erbeten hatte, wurde vereinbart, dass so eine Veranstaltung zu gegebener Zeit, wenn man im Förderverfahren weiter fortgeschritten ist, wiederholt werden sollte. Der Breitbandtag wurde als äußerst gelungen gelobt.