Eine gerechte Medizin für alle Geschlechter

Am Mittwoch, 20. Mai 2026, fand im Landratsamt Regensburg eine Hybridveranstaltung zur geschlechtersensiblen Medizin statt. Organisiert wurde sie von den Gleichstellungsstellen und dem Gesundheitsamt von Stadt und Landkreis Regensburg in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Regensburg, der Universität Regensburg und dem Katholischen Deutschen Frauenbund. Unter dem fachlichen Schwerpunkt Diagnostik, Versorgung und Therapie richtete sich die Veranstaltung an Ärztinnen und Ärzte, Pflege- und medizinisches Fachpersonal, Studierende sowie alle Interessierten. Neben der Teilnahme vor Ort bestand auch die Möglichkeit, die Veranstaltung online zu verfolgen. Im Anschluss an die Fachvorträge wurden Fragen aus dem Publikum diskutiert.

Geschlechtersensible Medizin – auch Gendermedizin genannt – berücksichtigt systematisch Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Geschlechtern. Neben biologischen Faktoren spielen dabei auch sozialpsychologische Aspekte, etwa das Verhalten im sozialen Umfeld, eine wichtige Rolle. So wirkt sich das Geschlecht unter anderem darauf aus, wie häufig bestimmte Erkrankungen auftreten, wie sie sich äußern und wie gut Therapien wirken. Eine medizinische Versorgung, die diese Unterschiede und Gemeinsamkeiten berücksichtigt, trägt dazu bei, Prävention, Diagnostik und Therapie passgenauer und gerechter für alle Geschlechter zu gestalten.

Landrätin Tanja Schweiger und Oberbürgermeister Dr. Thomas Burger begrüßten die zahlreichen Teilnehmenden vor Ort und online. In ihren Beiträgen hoben sie die Bedeutung des Themas für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung hervor.

„Eine gute Gesundheitsversorgung muss die unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen im Blick haben. Geschlechtersensible Medizin leistet dazu einen wichtigen Beitrag, weil sie hilft, Erkrankungen genauer zu erkennen und Behandlungen passgenauer auszurichten“, unterstrich Landrätin Tanja Schweiger.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Burger betonte: „Wir tragen hier vor Ort Verantwortung für die Lebensqualität der Menschen – und dazu gehört ganz wesentlich eine gute, gerechte und vor allem diskriminierungsfreie Gesundheitsversorgung. Veranstaltungen wie diese leisten einen wichtigen Beitrag, um Wissen zu teilen, Bewusstsein zu schaffen und Veränderungen anzustoßen.“

Den fachlichen Auftakt gestaltete Dr. Christiane Groß, Ehrenpräsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes e. V., mit einem Überblick über den aktuellen Stand der Forschung. Sie zeichnete die Entwicklung der geschlechtersensiblen Medizin nach und verdeutlichte, dass Unterschiede zwischen Frauen und Männern sowohl bei Symptomen als auch bei der Wirksamkeit von Arzneimitteln eine wichtige Rolle spielen. Ihr Fazit: Geschlechtersensible Medizin ist kein Nischenthema, sondern betrifft alle Menschen und verbessert die medizinische Versorgung insgesamt.

Vertiefende Einblicke gaben die Regensburger Professorinnen des Universitätsklinikums

Univ.-Prof. Dr. med. Dr.Dr. h. c. Martina Müller-Schilling, MHBA, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I und Mitinitiatorin der Veranstaltung, beleuchtete geschlechterspezifische Aspekte bei Lebererkrankungen und ordnete aktuelle Erkenntnisse rund um die Lebergesundheit ein.

Im zweiten Fachbeitrag beleuchtete Univ.-Prof. Dr. med. Miriam Banas, geschäftsführende Oberärztin in der Abteilung für Nephrologie am Universitätsklinikum Regensburg sowie stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte für Frauen in Wissenschaft und Kunst der Universität Regensburg, die chronische Nierenkrankheit. Sie machte deutlich, warum geschlechtersensible Betrachtungen in diesem Bereich zunehmend an Bedeutung gewinnen und weshalb hier genauer hingeschaut werden muss.

Den Abschluss der Fachvorträge gestaltete Prof. Dr. med. Andrea Bäßler, Oberärztin für Innere Medizin und Kardiologie sowie Leiterin der kardiologischen Hochschulambulanz am Universitären Herzzentrum des Universitätsklinikums Regensburg.

Als ausgewiesene Expertin für kardiovaskuläre Prävention, Lipidologie, Sportkardiologie und Gendermedizin engagiert sie sich seit mehreren Jahren in den Arbeitsgruppen „Gender in der Kardiologie“ sowie „Präventive und rehabilitative Kardiologie“ der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. In ihrem Vortrag widmete sie sich der Herzinsuffizienz aus geschlechtersensibler Perspektive und erläuterte, wie sich Unterschiede in der Ausprägung der Erkrankung sowie in der Versorgung zeigen.

Mit der Veranstaltung machten die Kooperationspartnerinnen zugleich auf den Internationalen Aktionstag für Frauengesundheit am 28. Mai aufmerksam. Unter dem Motto „Unsere Gesundheit! Unsere Rechte! Unser Leben!“ engagieren sich weltweit zahlreiche Organisationen für die Stärkung der Frauengesundheit. Hintergrund ist, dass Frauen in medizinischer Lehre, Forschung und Studien nach wie vor unterrepräsentiert sind – mit spürbaren Auswirkungen auf ihre gesundheitliche Versorgung.

Ziel ist es daher, geschlechtersensible Ansätze konsequent in Forschung, Lehre und Praxis zu verankern und eine Medizin zu fördern, die den unterschiedlichen Bedürfnissen aller Geschlechter gerecht wird. Die Veranstaltung setzte hierfür ein klares Zeichen für mehr Bewusstsein und eine gerechte Gesundheitsversorgung.

Setzen sich ein für eine gerechte Medizin für alle Geschlechter. Fotos: H. C. Wagner