Ein Abend im Zeichen des Denkmalschutzes

Am Dienstag standen zwei Denkmäler im Landkreis Regensburg besonders im Fokus. Die Sanierungsmaßnahmen am Wallner-Stadel in Pfatter und am Schloss Regendorf wurden in der Schlosskirche Wörth mit dem Denkmalpreis des Landkreises Regensburg 2026 prämiert. Erreicht wurde auch ein Etappenziel im Rahmen des MONUMENTA-Projektes: Weitere Inhalte der Web-App, dieses Mal zu den Denkmälern im nordöstlichen Landkreis, wurden feierlich freigeschaltet.

Rund 80 Gäste waren zum Schloss Wörth gekommen, um an diesem Abend bei der Denkmalpreisverleihung 2026 und der feierlichen Freischaltung der MONUMENTA-Inhalte dabei zu sein. Neben den Preisträgern und ihren Gästen sowie politischen Vertretern waren auch viele Fachleute aus dem Denkmalbereich und Heimatpfleger anwesend.

Landrätin Tanja Schweiger bedankte sich bei ihrer Begrüßung bei allen, die sich für das baukulturelle Erbe der Region einsetzen: „Sie bewahren damit auch ein Stück unserer regionalen Identität“, sagte sie, und weiter: „Es geht heute in zweifacher Hinsicht um Denkmalschutz: einmal um den Erhalt konkreter historischer Gebäude. Andererseits ist es auch im Sinne des Denkmalschutzes, Wissen über die Objekte zu bewahren und zu teilen.“

Wo einst der Adel residierte

Wissen um die Eigenheiten und die Geschichte des Schlosses Regendorf bewiesen auch Hans und Thomas Homeier bei der Sanierung des stattlichen Gebäudes im Ortszentrum. Als Glücksfall bezeichnete Kulturreferent und Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde im Landratsamt, Dr. Thomas Feuerer, den Umstand, dass die Home Bau-GmbH, geführt von Vater Hans und Sohn Thomas, sich 2022 des Denkmals annahm. Nach der Nutzung als Seniorenheim, Jugendfreizeitstätte und Unterkunft für Asylbewerber und nach jahrelangem Leerstand bestand ein großer Sanierungsbedarf. Auch die Ausmaße des Objekts machten es schwierig, Kaufinteressenten zu finden. Ein Investor, der das Schloss 2014 kaufte, gab ein paar Jahre später sein Vorhaben, Wohnungen darin einzurichten, wieder auf. Das Ziel der Homeiers war das Gleiche, doch mit ihrer Erfahrung in der Sanierung von Denkmälern war es ihnen auch wichtig, sensibel mit der historischen Bausubstanz umzugehen.

„Mit den Homeiers hatte das Regendorfer Schloss endlich wieder Eigentümer, die den Wert des Baudenkmals erkannten und zu schätzen wussten. In nur drei Jahren bis 2024 verwandelten sie den arg malträtierten ehemaligen Adelssitz in eine repräsentative Wohnanlage von einzigartigem Charme“, sagte Dr. Feuerer in seiner Laudatio. Im ehemaligen Schloss, dessen Ursprungsbau aus dem Jahr 1515 stammt, in seiner heutigen Form aber 1840 erbaut wurde, entstanden 24 Wohnungen, im ehemaligen Marstall weitere acht. Dabei gelang es Hans und Thomas Homeier, eine harmonische Verbindung zwischen dem historischen Bestand und den der neuen Nutzung geschuldeten modernen Einbauten herzustellen. Als Beispiel erwähnte er, dass die Homeiers die großzügigen Flure nicht in weitere Wohnflächen umwandelten. So wurde die überlieferte Gebäudestruktur in weiten Teilen erhalten. Das Gespür der beiden Bauherren beim Dachausbau, der oft von Denkmalschützern kritisch gesehen werde, hob er besonders hervor: „Die Dächer haben zwar jetzt tatsächlich mehr Gauben als vorher, aber das fällt optisch kaum auf, denn durch ihre filigrane Gestaltung, orientiert an historischen Vorbildern, fügen sich die Gauben wunderbar in das Erscheinungsbild des Denkmals ein.“ Zusammen mit Landrätin Tanja Schweiger überreichte der Kulturreferent schließlich den mit 2.000 Euro dotierten Denkmalpreis in Form einer Urkunde und eines Schildes, das am Gebäude angebracht werden kann.

Ein Stadel zum Vorzeigen

Viel Kreativität und Innovationsgeist waren gefordert, um den sogenannten Fuchsstadel in Pfatter ebenfalls in Wohnungen zu verwandeln. Die Lage schien hier sogar noch aussichtloser. Teile des Dachs waren bereits eingefallen, das mächtige Holztragwerk durch Feuchtigkeit und Pilzbefall beträchtlich geschädigt, so dass 2017 eine Notsicherung durchgeführt werden musste. 2020 wurde bereits ein Antrag auf Abbruch gestellt. Die Rettung kam durch Simon Würzinger. Bei seinem Plan, in der gemauerten Scheune nach dem Haus-in-Haus-Prinzip sechs Wohnungen zu errichten, sah er sich noch mit einer weiteren Herausforderung konfrontiert: Das Gebäude wurde als schlichtes Ökonomiegebäude zur Lagerung zwischen 1851 und 1857 ohne Fenster erbaut.

Sophia Kirschsieper, zuständige Gebietsreferentin beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, bezeichnete in ihrer Laudatio das Sanierungsprojekt als beispielhafte Verbindung aus handwerklicher Konsequenz, technischer Planungstiefe, ökologischer Verantwortung und großem Respekt vor der historischen Substanz. Dank präziser digitaler Vorplanung und der seriellen Instandsetzung des Tragwerks und Dachstuhls mussten nur zwölf Prozent der historischen Holzkonstruktion ersetzt werden. „Ein Wert, der im Denkmalbau außergewöhnlich ist“, hob sie hervor. Diese Anwendung digitaler Planung setze neue Maßstäbe im denkmalgerechten Holzbau, ergänzte sie. Auch Nachhaltigkeit und Ökologie hatte Würzinger im Blick: 270 Kubikmeter Schnittholz fällte er aus eigenem Bestand und machte daraus Balken und Bretter für den Umbau. Die anfallenden Sägespäne wiederum verbaute er als Dämmmaterial im Stadel. Die Entwicklung einer Dachfensterlösung, die für Licht im Inneren des ehemals fensterlosen Gebäudes sorgte, machte den Umbau in ein Wohnhaus erst möglich. Wegen der innovativen Ideen zur Umnutzung, der Planungstiefe und als Beispiel dafür, dass auch denkmalgeschützte Ökonomiegebäude, die ihren ursprünglichen Nutzen verloren haben, ein zweites Leben mit neuer Funktion bekommen können, gilt die Instandsetzung als Vorzeigeprojekt im Landkreis Regensburg. „Der Stadel in der Wallnerstraße 11 ist heute ein Schmuckstück, ein Modellprojekt und ein Impulsgeber für die Denkmalpflege im 21. Jahrhundert“, sagte Kirschsieper. Simon Würzinger erhielt dafür den Denkmalpreis des Landkreises Regensburg 2026 mit einem Preisgeld in Höhe von 4.000 Euro.

Den Osten und seine Denkmäler erkunden

Nach einem weiteren Musikstück von Ludwig Eiglmeier und Marion Weikl, die an Portativ, einer kleinen Pfeifenorgel, und Querflöte den Abend musikalisch umrahmten, leitete Nadine Merk mit ein paar Worten zur Freischaltung der neuen MONUMENTA-Inhalte über. Die wissenschaftliche Koordinatorin stellte das Pilotprojekt kurz vor und erklärte die Funktionsweise der Web-App. „Unserem Ziel, bis zum Ende der Projektlaufzeit im Mai 2027 alle Bau- und Kunstdenkmäler im Landkreis und in der Stadt zu erfassen, kommen wir heute – eineinhalb Jahre nach dem Launch – mit der Freischaltung von weiteren 263 Baudenkmälern in elf Landkreisgemeinden wieder ein Stück näher“, sagte sie. Zusammen mit Projektunterstützern und -beteiligten drückte Landrätin Tanja Schweiger schließlich auf den symbolischen roten Buzzer. Nach den Denkmälern im Süden des Landkreises, die mit dem Startschuss der Web-App im Januar 2025 freigeschaltet wurden, stehen ab sofort unter www.monumenta.de auch Hintergrundinfos und Bilder zu den Objekten in den nordöstlichen Gemeinden Altenthann, Bach, Bernhardswald, Brennberg, Donaustauf, Regenstauf, Tegernheim, Wenzenbach, Wiesent, Wörth und Zeitlarn zur Verfügung.

Das innovative Pilotprojekt MONUMENTA, das Baukulturerbe und Digitalisierung verbindet, ist beim Landkreis Regensburg angesiedelt und wird gefördert durch das Bayerische Staatsministerium der Finanzen und für Heimat im Rahmen der Heimat-Digital-Regional-Förderrichtlinie. Mit der digitalen Plattform in Form einer Web-App soll auf zeitgemäße Weise Wissen über das baukulturelle Erbe vermittelt werden – leicht zugänglich für Laien, aber gleichzeitig fundiert für Experten. Letztlich ist das Ziel der Erhalt der Denkmäler, denn, so Verhaltensforscher Konrad Lorenz: „Man liebt nur, was man kennt und man schützt nur, was man liebt“. Projektpartner sind die Stadt Regensburg, der Bezirk Oberpfalz, der Bayerische Landesverein für Heimatpflege e.V., das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, das Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg und die Universität Regensburg.

Monumenta: Web-App MONUMENTA

Ein Zeichen für den Denkmalschutz setzte der Landkreis mit der Denkmalpreisverleihung und MONUMENTA-Freischaltung in der Schlosskirche Wörth. Die Denkmalpreisträger 2026 Simon Würzinger (vorne, 3.v.r.) und Hans und Thomas Homeier (vorne, 4.und 5.v.l.) sowie Landrätin Tanja Schweiger (vorne 2. v. l.) und Stadtrat Florian Rottke als Vertreter der Stadt Regensburg (vorne links), mit den Heimatbürgermeistern der Preisträger, Jurymitgliedern sowie Projektunterstützern und –beteiligten von MONUMENTA. Fotos: H. C. Wagner